Piercing-Nachsorge
Für Ohr- und Oralpiercings
Ein frisch gestochenes Piercing ist eine Wunde und benötigt Zeit, Ruhe und die richtige Pflege. Auch wenn es äußerlich bereits verheilt aussieht, kann der Stichkanal im Inneren noch empfindlich sein.
Die wichtigsten Grundregeln
- Wasche deine Hände gründlich, bevor du dein Piercing berührst.
- Berühre das Piercing nur zur notwendigen Reinigung.
- Drehe, schiebe oder bewege den Schmuck nicht unnötig.
- Entferne oder wechsle den Erstschmuck nicht selbstständig.
- Reinige regelmäßig, aber nicht übermäßig.
- Halte vereinbarte Kontroll- und Downsize-Termine ein.
- Bei Unsicherheiten wende dich frühzeitig an dein Piercingstudio.
Das benötigst du zur Pflege
- Sterile, isotone Kochsalz- oder Wundspüllösung mit 0,9 % Natriumchlorid
- Sterile, fusselfreie Kompressen oder sauberes Einwegpapier
- Für Oralpiercings zusätzlich eine neue, weiche Zahnbürste
- Bei Bedarf eine alkoholfreie und wasserstoffperoxidfreie Mundspülung
Verwende keine selbst gemischte Salzlösung. Kontaktlinsenlösung, Nasenspray und Augentropfen sind ebenfalls nicht zur Piercingpflege geeignet.
Nachsorge für Ohrpiercings
Diese Hinweise gelten sowohl für Ohrläppchenpiercings als auch für Knorpelpiercings wie Helix, Flat, Tragus, Conch, Daith, Rook, Snug und Industrial.
So reinigst du dein Ohrpiercing
Reinige das Piercing während der Heilungsphase ein- bis zweimal täglich:
- Wasche und trockne deine Hände gründlich.
- Sprühe die Vorder- und Rückseite des Piercings mit steriler Kochsalzlösung ein.
- Lass fest sitzende Krusten zunächst einweichen.
- Entferne nur bereits gelöste Ablagerungen vorsichtig mit einer sterilen Kompresse.
- Tupfe das Piercing anschließend mit einer sauberen Kompresse oder Einwegpapier trocken.
Unter der Dusche darf klares Wasser über das Piercing laufen. Shampoo, Seife und Haarpflegeprodukte müssen anschließend vollständig abgespült werden.
Krusten dürfen niemals abgekratzt oder gewaltsam entfernt werden.
Während der Heilung vermeiden
- Den Schmuck drehen, verschieben oder herausnehmen
- Mit ungewaschenen Händen am Piercing spielen
- Alkohol, Wasserstoffperoxid, Jod oder aggressive Desinfektionsmittel
- Antibiotische Salben ohne ärztliche Verordnung
- Fettige Cremes, Wundsalben und Vaseline
- Teebaumöl und andere Hausmittel
- Make-up, Haarspray, Parfüm oder Kosmetik direkt am Piercing
- Druck, Reibung oder häufiges Hängenbleiben
- Schwimmbäder, Whirlpools, Seen, Meer und längeres Untertauchen
- Eng anliegende Kopfhörer, Helme oder Mützen, die auf das Piercing drücken
Sport und Schwitzen sind grundsätzlich möglich, solange das Piercing nicht angeschlagen, eingeklemmt oder durch verschmutzte Geräte und Matten verunreinigt wird.
Schlafen und Alltag
Schlafe nicht direkt auf einem frisch gestochenen Ohrpiercing. Dauerhafter Druck kann Reizungen, Schwellungen und eine Veränderung des Stichwinkels verursachen.
Ein Reisekissen mit einer Öffnung in der Mitte kann dabei helfen, das Ohr beim Schlafen druckfrei zu lagern.
Achte außerdem auf:
- regelmäßig gewechselte Kopfkissenbezüge
- saubere Handtücher
- gereinigte Smartphones, Brillen und Kopfhörer
- saubere Mützen, Stirnbänder und Schals
- Vorsicht beim Kämmen, Frisieren und beim Friseurbesuch
Schmuckwechsel und Downsize
Der Erstschmuck ist häufig etwas länger, damit anfängliche Schwellungen ausreichend Platz haben. Sobald die Schwellung vollständig zurückgegangen ist, kann ein kürzerer Schmuck notwendig sein.
Dieses sogenannte Downsize sollte ausschließlich von einem professionellen Piercer durchgeführt werden. Ein zu langer Schmuck kann leichter hängen bleiben und den Stichkanal reizen. Ein zu kurzer Schmuck kann Druck ausüben oder in das Gewebe einwachsen.
Ein Downsize bedeutet nicht, dass das Piercing bereits vollständig verheilt ist.
Was während der Heilung normal sein kann
- Leichte Rötung oder Verfärbung
- Leichte bis mäßige Schwellung
- Druckempfindlichkeit
- Kleine Blutergüsse
- Geringfügige Nachblutung in der Anfangszeit
- Juckreiz
- Klare bis weißlich-gelbliche Wundflüssigkeit
- Kleine Krusten am Schmuck
- Zeitweise erneute Empfindlichkeit nach Druck oder Hängenbleiben
Diese Beschwerden sollten im Verlauf insgesamt schwächer und nicht stärker werden.
Ungefähre Heilungszeiten
- Ohrläppchen
- etwa 6–9 Wochen
- Ohrknorpel, beispielsweise Helix, Tragus, Conch, Daith oder Rook
- etwa 6–9 Monate oder länger
Industrial, Snug und andere anspruchsvolle Knorpelpiercings können ebenfalls deutlich länger benötigen.
Die Heilungszeit ist individuell. Der Kalender allein entscheidet nicht, ob ein Piercing verheilt ist.
Nachsorge für Oralpiercings
Diese Hinweise gelten unter anderem für Zungenpiercings sowie Lippenpiercings wie Labret, Medusa, Monroe und ähnliche orale oder periorale Platzierungen.
Bei Lippenpiercings müssen der Bereich im Mund und die äußere Einstichstelle unterschiedlich gepflegt werden.
Mundhygiene
- Verwende ab dem ersten Tag eine neue, weiche Zahnbürste.
- Putze deine Zähne mindestens zweimal täglich vorsichtig.
- Reinige auch Zunge und Schmuck behutsam, ohne den Stichkanal zu reizen.
- Benutze täglich Zahnseide.
- Spüle den Mund nach jedem Essen, Rauchen und nach allen Getränken außer Wasser gründlich mit sauberem Wasser aus.
- Eine alkoholfreie und wasserstoffperoxidfreie Mundspülung darf entsprechend der Anwendungshinweise benutzt werden.
- Verwende Mundspülungen nicht übermäßig, da dies die Mundschleimhaut reizen kann.
Die Außenseite eines Lippenpiercings wird ein- bis zweimal täglich wie ein Ohrpiercing mit steriler Kochsalzlösung gereinigt und anschließend vorsichtig trocken getupft.
Schwellung reduzieren
Eine Schwellung ist besonders bei Zungen- und Lippenpiercings in den ersten drei bis fünf Tagen üblich.
Folgendes kann helfen:
- Kleine Eisstücke langsam im Mund schmelzen lassen
- Kühle Getränke und Speisen
- In den ersten Nächten den Kopf etwas erhöht lagern
- Möglichst wenig und ruhig sprechen
- Langsam essen und kleine Bissen nehmen
- Den Schmuck nicht bewegen oder damit spielen
Bei außergewöhnlich starker oder zunehmender Schwellung muss sofort gehandelt werden. Wann du sofort Hilfe benötigst
Essen und Trinken
In den ersten Tagen sind kühle oder lauwarme, weiche und milde Speisen meist angenehmer.
Vermeide während der ersten zwei Wochen möglichst:
- sehr scharfe Speisen
- stark saure Speisen und Getränke
- sehr salzige Speisen
- sehr heiße Speisen und Getränke
- Strohhalme, da der entstehende Unterdruck Blutungen und Schwellungen fördern kann
- Kaugummi und Gegenstände, auf denen herumgekaut wird
Es gibt keinen allgemeinen Grund, während der Heilung vollständig auf Milchprodukte zu verzichten. Entscheidend sind eine gute Mundhygiene und das gründliche Ausspülen nach dem Essen.
Während der Heilung vermeiden
- Spielen, Beißen oder Klicken mit dem Schmuck
- Nägelkauen oder Kauen auf Stiften und anderen Gegenständen
- Feuchte Küsse und Kontakt mit fremdem Speichel
- Oralverkehr während der Heilungsphase
- Gemeinsame Trinkgefäße, Besteck oder Zahnbürsten
- Alkohol, solange Blutungen oder stärkere Schwellungen bestehen
- Rauchen und Vapen – möglichst vollständig, mindestens jedoch deutlich reduzieren
- Lippenstift, Lippenpflege und Make-up direkt an einer frischen äußeren Einstichstelle
- Schwimmbäder, Whirlpools, Seen und andere möglicherweise belastete Gewässer
Downsize bei Oralpiercings
Der längere Erstschmuck bietet Platz für die anfängliche Schwellung. Nachdem die Schwellung abgeklungen ist, muss er häufig durch einen kürzeren Schmuck ersetzt werden.
Ein rechtzeitiges professionelles Downsize reduziert:
- Verletzungen an Zähnen und Zahnfleisch
- Hängenbleiben und Draufbeißen
- Reizungen und Druckstellen
- Schiefheilung und verlängerte Heilungszeiten
Lass das Downsize ausschließlich im Piercingstudio durchführen. Wechsle den Schmuck während der Heilung nicht selbst.
Bei Lippenpiercings kann sich die innere Platte nach der Heilung leicht in die weiche Lippenschleimhaut einbetten. Dieses leichte „Nesting“ kann normal sein. Schmerzen, starke Druckstellen oder ein vollständiges Überwachsen des Schmucks sind jedoch nicht normal.
Langfristiger Schutz von Zähnen und Zahnfleisch
Oralschmuck kann bei ständigem Spielen oder Draufbeißen Zähne beschädigen und Zahnfleischrückgang verursachen.
Achte deshalb langfristig darauf:
- nicht mit dem Schmuck zu spielen
- nicht auf die Schmuckkugeln oder Platten zu beißen
- Schmuck und Mundraum sauber zu halten
- regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wahrzunehmen
- bei empfindlichen Zähnen, Zahnschäden oder zurückgehendem Zahnfleisch frühzeitig dein Piercingstudio und deinen Zahnarzt zu kontaktieren
Was während der Heilung normal sein kann
- Schwellung während der ersten drei bis fünf Tage
- Druckempfindlichkeit oder leichtes Brennen
- Kleine Blutergüsse
- Leichte Nachblutungen
- Vorübergehend vermehrter Speichelfluss
- Leichte Schwierigkeiten beim Essen oder Sprechen
- Weißlich-gelbliche Wundflüssigkeit oder kleine Krusten an der Außenseite eines Lippenpiercings
- Eine geringe Restschwellung nach der ersten Woche
Die Beschwerden sollten mit der Zeit insgesamt abnehmen.
Ungefähre Heilungszeiten
- Zungenpiercing
- etwa 4–8 Wochen
- Lippenpiercing
- etwa 7–9 Wochen
- Komplexe orale Platzierungen und Cheek-Piercings
- häufig mehrere Monate
Auch hier gilt: Ein beschwerdefreies Aussehen bedeutet nicht automatisch, dass der Stichkanal vollständig verheilt ist.
Wann du sofort Hilfe benötigst
Wende dich noch am selben Tag an einen Arzt, wenn:
- Schmerzen, Rötung oder Schwellung deutlich zunehmen
- die Stelle stark pocht oder ungewöhnlich heiß wird
- die Rötung sich sichtbar ausbreitet
- dickflüssiger, übel riechender oder grünlicher Eiter austritt
- Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder starkes Krankheitsgefühl auftreten
- der Schmuck stark drückt oder in das Gewebe einwächst
- ein größerer Teil des Ohrknorpels stark geschwollen und schmerzhaft ist
- Beschwerden nach einer zwischenzeitlichen Besserung erneut deutlich auftreten
Rufe bei folgenden Beschwerden sofort den Rettungsdienst unter 112:
- Atemnot
- Schluckbeschwerden
- schnell zunehmende Schwellung von Zunge, Mundboden oder Hals
- nicht stillbare starke Blutung
- Kreislaufprobleme oder Bewusstseinsstörungen
Entferne bei Verdacht auf eine Infektion den Schmuck nicht eigenständig. Lass zunächst einen Arzt entscheiden, ob der Schmuck eingesetzt bleiben oder entfernt werden muss.
Dein Piercer kann Sitz, Länge und Zustand des Schmucks kontrollieren und Reizungsursachen erkennen. Eine mögliche Infektion muss jedoch ärztlich diagnostiziert und behandelt werden.
Wichtig
Diese Nachsorgeanleitung ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei ungewöhnlichen Beschwerden, Vorerkrankungen, einer eingeschränkten Immunabwehr oder Unsicherheit solltest du frühzeitig medizinischen Rat einholen.
Fragen oder Probleme?
Melde dich rechtzeitig bei uns. Je früher eine Reizung oder ein Problem kontrolliert wird, desto einfacher lässt sich meist eine Lösung finden.
Kontaktdaten des Studios:
- Telefon 089 94403786
- E-Mail info@tattooandy.de
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